Ein Beamter soll 20 Jahre lang falsche Rechnungen über ein Erdbauunternehmen, für das er die Buchhaltung machte, gelegt haben.
Ein reichlich ungewöhnlicher Fall wurde am Montag am Innsbrucker Landesgericht verhandelt: Ein suspendierter Osttiroler Beamter soll über ein Erdbauunternehmen rund 20 Jahre lang falsche Rechnungen gestellt haben. Immerhin in der beträchtlichen Höhe von 140.000 Euro brutto. Der Erdbauunternehmer, ein Freund des Angeklagten, will davon erst nachträglich erfahren haben. Außerdem soll der 58-jährige Beschuldigte Essensrechnungen gleich dreifach abgerechnet und zahlreiche Dinge zum Schaden des Unternehmers bestellt haben.
Vor einem Schöffensenat unter dem Vorsitz von Richterin Helga Moser bekannte sich der Mann nur zu den Essensrechnungen schuldig. Er habe sich durch die Mehrfachverrechnung eine „Reserve“ für zukünftige berufliche Einladungen schaffen wollen, den Schaden inzwischen aber wieder gutgemacht. Die restlichen Vorwürfe bestritt der Angeklagte. Seit dem Jahr 2000 habe er die Buchhaltung für seinen Freund aus Kindergartentagen gemacht. Aber er habe mit dessen Einverständnis auch Leistungen, die er selbst erbrachte, über das Erdbauunternehmen abgerechnet. Das Geld, das so hereingekommen sei, habe er netto bar entnommen. Im Amt habe er die Nebentätigkeit nicht gemeldet aus Angst, dass sie ihm sofort untersagt worden wäre.
Der Erdbauunternehmer sagte aus, er habe von all dem erst erfahren, als die Geschichte im Herbst 2024 aufflog. Er könne zwar die Kosten für eine Baustelle berechnen, aber habe keine Ahnung von Buchhaltung. Diesbezüglich habe er dem - nun ehemaligen - Freund voll vertraut.
Ab dem 1. Jänner 2025 übernahm eine Schwester des Erdbauunternehmers dann die Buchhaltung und förderte nach und nach die ganzen seltsamen Rechnungen und unzähligen Bestellungen des Angeklagten zu Lasten ihres Bruders zu Tage. Offenbar habe er sich wie in einem Selbstbedienungsladen gefühlt, meinte die Schwester vor Gericht. Das sei alles in Absprache mit dem Unternehmer passiert, beharrte der Angeklagte.
Der Prozess wurde zur Einvernahme zahlreicher Zeugen vertagt.
UAS